DIE MEDIEN SCHREIBEN

NZZ Bellevue

Auf Städtereise in der Schweiz

12. August 2020

Ein Wochenende in einer fremden Stadt fühlt sich an wie eine kurze Auszeit vom Alltag. Welche Schweizer Städte die Lifestyle-Redaktion für Mini-Reisen empfiehlt – und ihre liebsten Adressen am jeweiligen Ort.

Basel – Flaniermeile am Rhein

Ohne Drybag kommt man in Basel nicht weit! Dieses Gefühl zumindest beschleicht einen, wenn man an einem warmen Sommertag am Ufer des Rheins entlang schlendert und einem die Basler mit ihrem «Wickelfisch» unter dem Arm entgegenlaufen, mit dem sie sich zuvor den Fluss hinuntertreiben liessen.

Wer nicht in den schwimmenden Pendlerstrom mit einsteigen möchte, geht zu Fuss. Der Weg führt bis hinunter zum Klybeckquai. Hier befinden sich gleich mehrere Freiluftbars. Der unprätentiöse Charme der einfach, aber herzlich eingerichteten Bars ist ein willkommener Gegenpol zu den meterhohen Betonbauten des gegenüberliegenden Ufers. Von den Baslern wird der Klybeckquai gerne auch «Hafen» genannt, was sich wohl mehr aufs Ankommen der hier einkehrenden Menschen beziehen soll, Schiffe sind hier keine angelegt.

Nach der Abkühlung im Rhein (Achtung: Ab der Dreirosenbrücke gilt Schwimmverbot, dafür gibt es weiter flussaufwärts viele Bademöglichkeiten) und dem Apéro an der Sonne geht es zurück in die Innenstadt. Besonders enthusiastische Besucher setzen sich für die Rheinüberquerung in eine der Mini-Fähren, Pragmatiker wählen den Weg über die Brücke. Trämli hin oder her: Basel lässt sich besonders gut zu Fuss erkunden. In der Altstadt lohnt es sich, die grossen Einkaufsstrassen jeweils schnellstmöglich wieder zu verlassen, um in eine schmale Seitengasse abzubiegen. Hier verstecken sich die schönen Cafés und Secondhand-Shops, in denen man charmant auf Baseldeutsch begrüsst wird.

Shopping

Secondhand-Liebhaber finden im Antiquitäten-Shop Novecento Accessoires wie Vasen, Töpfe und Geschirr. Ein Schwerpunkt des Angebots liegt bei den «Arts döcoratifs» des 20. Jahrhunderts. Gleich schräg vis-à-vis befindet sich der Kleider-Secondhand-Shop bia calina. Designklassiker im Möbelbereich findet man bei Mid Mod 20c.

BaselLive

SALI, ICH BI NEU!

25. August 2020

Mit Bia Calina hat an der Rosshofgasse eine Secondhand Boutique eröffnet, die nicht nur mit ausgewählten Bijoux, sondern auch einer herzhaften Besitzerin aufwartet.

Bea Kälin bezeichnet sich selbst als Secondhand Aficionada. Wenn sie ein schönes Kleid oder ein schmuckes Möbelchen sieht, kann sie fast nicht anders, als es zu kaufen. Vorausgesetzt die Ware stammt aus mindestens zweiter Hand. Für sie gibt es nämlich fast nichts Schöneres, als das Leben eines besonderen Einzelstückes zu verlängern. Zudem möchte sie durch den Gebrauch von bereits Getragenem und Gebrauchtem etwas zum Umweltschutz beitragen.

Umso erfreulicher zeigt sich die ursprünglich aus dem Luzernischen stammende Lebefrau darüber, dass sie endlich ein Plätzchen finden durfte, wo sie ihre Errungenschaften mit der Gesellschaft teilen darf.

Und was für eins! Die kleine, feine Secondhand Boutique an der Rosshofgasse 5 hat definitiv nichts mit Brocki-Charakter oder muffigen Hippieshops gemein. «Mir ist es wichtig, meiner Kundschaft vermitteln zu können, dass Secondhand nicht schmuddelig sein muss. Die Kleidungsstücke wurden allesamt gewaschen, gebügelt und teilweise sogar ökologisch chemisch gereinigt.» So erinnert Bia Calina vielmehr an eine Edelboutique. Auch die persönliche Beratung ist auf höchstem Niveau.

Zusammengesammelt hat Bea Kälin ihr, sich laufend erweiterndes, Sortiment (die Auswahl für Männer ist etwas kleiner!) auf Flohmis, in Brockis und via Kleiderspenden. Wer mag, darf ihr also jederzeit Hübsches und nicht mehr Gebrauchtes vorbeibringen. Was nicht in der Boutique verkauft wird, wird in ihrer Spendentruhe für mindestens 55 Rappen pro Kleidungsstück angeboten. «Beim Verkauf verdopple ich jeweils den Ertrag und spende diesen an eine Nonprofit Organisation meiner Wahl.»

Très charmante! Genauso wie Bea Kälin selbst. A propos: Fällt dir am Namen Bia Calina was auf?